Inhaltsverzeichnis:
- Bedia Kunz und der Breslauer Platz
- Berliner Senat und Sondernutzung
- Alexander Jung und die Anbieter
- Abstellflächen in den Bezirken
- Gekürzte Mittel und offene Fragen
- Entwicklungen in anderen Städten
Bedia Kunz und der Breslauer Platz
Bedia Kunz, 54 Jahre alt und blind, bewegt sich am Breslauer Platz in Friedenau mit einem weißen Stock. Sie berichtet von mehreren Stürzen durch abgestellte Roller. Einmal habe die Lenkstange knapp ihr Auge verfehlt. Für sie und viele andere ist klar: Gehwege dürfen keine Stolperfallen durch E-Scooter sein.
Der ABSV vertritt nach eigenen Angaben rund 25.000 Menschen in der Hauptstadt, die kaum oder gar nicht sehen können. Die Organisation fordert, dass Roller nur in festen Zonen abgestellt werden dürfen. Anwalt Michael Richter, selbst blind, vertritt den Verein vor dem Verwaltungsgericht. Die Verhandlung findet am 1. Oktober statt.
Berliner Senat und Sondernutzung
Seit September 2022 vergibt der Senat Sondernutzungserlaubnisse. Anbieter dürfen damit Gehwege für Roller nutzen, solange sie nicht im Weg stehen. Aktuell sind über 34.000 kommerzielle E-Scooter im Stadtgebiet unterwegs. Die Nutzung wird durch das sogenannte Free-Floating-System bestimmt. Dieses erlaubt flexible Abstellungen, ist jedoch laut ABSV ein erhebliches Hindernis.
Zur Steuerung wurden Regeln eingeführt:
- Obergrenze von 19.000 Leihrollern in der Innenstadt
- Maximal 24.000 im übrigen Stadtgebiet
- Parkverbotszonen mit Geofencing in einigen Bereichen
Trotzdem häufen sich Beschwerden. Mehrere Bezirke melden 150 Fälle allein im Jahr 2025.
Alexander Jung und die Anbieter
Die Anbieter wehren sich gegen ein rein stationsbasiertes System. Sprecher Alexander Jung vom Verband Plattform Gemeinsame Mobilität, in dem Bolt, Voi und Lime vertreten sind, argumentiert, dass die Attraktivität durch Flexibilität entstehe. Viele Fahrten begännen oder endeten an Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs. Beschwerden beträfen nur einen sehr kleinen Teil der Nutzung.
Abstellflächen in den Bezirken
Die Verkehrsverwaltung meldet knapp 500 verpflichtende Stationen. Doch deren Verteilung ist ungleich. Mitte führt mit 205 Flächen, Reinickendorf hat keine einzige.
Übersicht der Abstellflächen (Stand September 2025)
| Bezirk | Anzahl |
|---|---|
| Mitte | 205 |
| Friedrichshain-Kreuzberg | 86 |
| Steglitz-Zehlendorf | 27 |
| Pankow | 26 |
| Marzahn-Hellersdorf | 24 |
| Tempelhof-Schöneberg | 23 |
| Neukölln | 23 |
| Lichtenberg | 21 |
| Charlottenburg-Wilmersdorf | 18 |
| Spandau | 17 |
| Treptow-Köpenick | 11 |
| Reinickendorf | 0 |
Auffällig ist der enorme Abstand zwischen Mitte und allen anderen Bezirken.
Gekürzte Mittel und offene Fragen
Das Land Berlin hat die Zuschüsse für neue Stationen stark reduziert. Filiz Keküllüoğlu, Bezirksstadträtin in Lichtenberg, berichtet von massiven Kürzungen. Damit können nur noch vereinzelt neue Flächen entstehen. Der Senat arbeitet nach eigenen Angaben an einer gesamtstädtischen Strategie für Sharing-Angebote. Ob damit ein Ausbau der Abstellstationen verbunden ist, bleibt offen.
Entwicklungen in anderen Städten
Paris und Madrid haben Leihroller bereits komplett verboten. Auch Gelsenkirchen und Oranienburg zogen nach. Berlin geht einen anderen Weg. Hier versucht man, mit Obergrenzen, Zonen und festen Abstellflächen zu regulieren. Für Betroffene wie Bedia Kunz bleibt die zentrale Forderung: freie Gehwege ohne Stolperfallen.
Quelle: rbb24, www.fox360.net/de