Freitag, 08 August 2025 10:04

Ex-Partner tötet Frau mit 85 Stichen

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Tatort im Fahrstuhl eines Wohnhauses in Berlin-Marzahn Tatort im Fahrstuhl eines Wohnhauses in Berlin-Marzahn pixabay/Foto illustrativ

Eine 27-jährige Vietnamesin wird Opfer eines brutalen Femizids. Ihr Ex-Partner sticht 85 Mal auf sie ein. Das Berliner Landgericht verurteilt den Täter zu lebenslanger Haft.

Inhaltsverzeichnis:

Mord an Duyen B. in Berlin-Marzahn

Duyen B., eine vietnamesische Kosmetikerin, wurde am 25. Januar 2025 in einem Wohnhaus an der Marzahner Chaussee mit 85 Messerstichen ermordet. Die 27-Jährige war gerade auf dem Weg nach draußen, telefonierte mit einem Bekannten und betrat den Fahrstuhl, als ihr ehemaliger Lebensgefährte Viet T. sie unvermittelt angriff. Die Frau hatte sich Monate zuvor von dem 29-jährigen Koch getrennt. Ihr gemeinsamer Sohn war zum Tatzeitpunkt bei Verwandten untergebracht.

Das Berliner Landgericht stellte am 7. August fest, dass der Mord aus Frustration, Eifersucht und einem krankhaften Besitzdenken begangen wurde. Die Richter sahen keinen spontanen Kontrollverlust, sondern einen kaltblütigen Racheakt. In der Urteilsbegründung wurde betont, dass die Frau völlig arglos gewesen sei. Der Täter hatte kurz zuvor noch versucht, sie zu beschwichtigen, während sich der Fahrstuhl näherte.

Ablauf der Tat im Fahrstuhl

Nach Angaben des Gerichts griff Viet T. die Frau in mehreren Phasen an. Zuerst stach er ihr in den Rücken und Nacken. Dann trafen weitere Stiche Arme und Beine. Schließlich richtete sich die Gewalt gezielt gegen das Gesicht und den Kopf des Opfers. Die Ermittlungen ergaben, dass die Wucht und Anzahl der Stiche Ausdruck tiefen Hasses waren. Die blutüberströmte Frau brach im Fahrstuhl zusammen und verstarb noch am Tatort.

Laut Viet T. sei die Tat nicht geplant gewesen. Er behauptete, das 20 Zentimeter lange Küchenmesser nur zufällig bei sich getragen zu haben. Es habe sich noch in seiner Jackentasche befunden, nachdem er am Vortag beim Umzug geholfen hatte. Er habe sich an einzelne Stiche nicht erinnern können. Das Gericht schenkte dieser Darstellung jedoch keinen Glauben.

Verhalten nach der Tat

Unmittelbar nach der Tat nahm Viet T. die Handtasche, das Handy und die Jacke seines Opfers an sich und floh durch das Treppenhaus. Nachbarn fanden Duyen B. wenige Minuten später. Für sie kam jede Hilfe zu spät. Die Polizei konnte den Täter wenige Tage nach dem Mord festnehmen. Während des gesamten Prozesses wurde das Geschehen durch eine Dolmetscherin ins Vietnamesische übersetzt.

Die Nebenklage sprach von einem „grausam geführten Femizid“. Der Anwalt des Vaters der Getöteten warf dem Täter vollständiges Fehlen von Mitgefühl und Reue vor. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger beantragten die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen hätte.

Urteil und rechtliche Bewertung

Das Gericht verurteilte Viet T. wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Eine besondere Schwere der Schuld wurde jedoch nicht festgestellt, da es sich laut Urteil um keine lang geplante Tat gehandelt habe. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Dobrikat stellte fest, dass Viet T. die Trennung nicht akzeptierte und die Tat als "Bestrafungsaktion" aus tiefer Kränkung begangen habe.

Die juristische Einordnung durch die Strafkammer lautete: heimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen. Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Tötungen, bei denen Frauen durch (Ex-)Partner sterben – häufig aus Motiven wie Besitzdenken oder Kontrollverlust.

Kernfakten zum Fall Viet T.

  • Täter: Viet T., 29 Jahre alt, Koch
  • Opfer: Duyen B., 27 Jahre alt, Kosmetikerin
  • Beziehung: getrennt seit mehreren Monaten
  • Tatort: Fahrstuhl eines Wohnhauses, Berlin-Marzahn
  • Tatwaffe: Küchenmesser mit 20 cm langer Klinge
  • Anzahl der Stiche: 85
  • Urteil: lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes
  • Motiv: Frust, Eifersucht, Besitzdenken

Die Entscheidung des Gerichts ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: Tagesspiegel, webrivaig.com/de