Inhaltsverzeichnis:
- Rewe reagiert auf Diebstähle in Berlin
- Giuseppe Lavazza kritisiert Spekulanten am Londoner Markt
- Judy Ganes verteidigt den Handel mit Terminkontrakten
- Donald Trumps Zollpolitik verschärft Lage
- Klimawandel belastet Anbauregionen
- Liberica als Hoffnungsträger
Rewe reagiert auf Diebstähle in Berlin
Preise, Diebstahl, Unsicherheit – mehrere Faktoren führen zu einem ungewöhnlichen Umgang mit dem Alltagsprodukt. Dabei spielen spekulative Geschäfte ebenso eine Rolle wie klimatische Extreme, geopolitische Entwicklungen und neue gesetzliche Vorgaben. Die Auswirkungen sind vielfältig – sowohl auf Verbraucher als auch auf Produzenten.
Einzelne Filialen der Supermarktkette Rewe in Berlin haben begonnen, Kaffee unzugänglich für Kunden zu platzieren. Die Maßnahme betrifft besonders sogenannte Brennpunktstandorte. Dort kommt es laut Unternehmensangaben zu vermehrten Diebstählen, weswegen lokale Verantwortliche „individuelle Lösungen zur Diebstahlprävention“ anwenden.
Grund für die ungewöhnliche Maßnahme ist der Preisanstieg bei Bohnenkaffee, der im April 2025 im Vergleich zum Vorjahr bei 12,2 % lag. Damit steigen die Kosten deutlich stärker als bei anderen Lebensmitteln. Der Druck auf den Einzelhandel nimmt zu, da Kaffee inzwischen zu einem der begehrtesten Diebesgüter zählt. In der Folge reagieren Märkte mit Schutzmechanismen wie Glasvitrinen oder Videoüberwachung.
Giuseppe Lavazza kritisiert Spekulanten am Londoner Markt
Giuseppe Lavazza, Chef des italienischen Kaffeekonzerns Lavazza, macht Finanzspekulanten für rund 80 % des Preisauftriebs verantwortlich. Seiner Einschätzung nach erzeugen Hedgefonds durch aggressive Termingeschäfte eine „unglaubliche Volatilität“. Besonders die Robusta-Bohnen an der Londoner Börse sind betroffen. Im Januar erreichte der Preis mit über 5.700 US-Dollar pro Tonne ein Rekordhoch, sank dann aber auf etwa 3.400 US-Dollar – weiterhin doppelt so viel wie der historische Durchschnitt von 1.700 US-Dollar.
Laut Lavazza ist der Preisanstieg keineswegs allein durch physische Knappheiten bedingt. Vielmehr hätten Spekulationen zu Unsicherheit und Schwankungen geführt, die sich entlang der gesamten Lieferkette bemerkbar machen. Zwar existieren weitere Ursachen wie Nachfragewachstum und Wetterextreme, doch Spekulation sei ein zentraler Motor der Preisentwicklung.
Judy Ganes verteidigt den Handel mit Terminkontrakten
Eine andere Sichtweise vertritt die US-amerikanische Analystin Judy Ganes. Sie bezeichnet Futures als legitimen Mechanismus zur Preisbildung. Auch wenn Preissteigerungen für Marktteilnehmer schmerzhaft sein können, spiegle der Markt reale Knappheiten, geopolitische Risiken und logistische Engpässe wider.
Ganes betont, dass Spekulanten eine bedeutende Rolle im Handel spielen, da sie Liquidität schaffen. Sie seien zwar oft Ziel von Kritik, doch ihre Aktivitäten basierten auf wirtschaftlicher Logik. Aktuelle Preisstrukturen wie „Backwardation“, bei der kurzfristige Lieferungen teurer sind als langfristige, verdeutlichen laut Ganes das hohe Risiko im Markt.
Weitere Einflüsse wie:
- Zinserhöhungen in wichtigen Handelsregionen,
- Exportbeschränkungen durch Produzentenländer,
- Schwankende Wechselkurse,
- Die neue EU-Entwaldungsverordnung (EUDR)
verstärken laut Ganes die Unsicherheiten zusätzlich.
Donald Trumps Zollpolitik verschärft Lage
Ein weiterer Preistreiber ist die Handelspolitik der Vereinigten Staaten unter Donald Trump. Der ehemalige Präsident unterzeichnete Ende Juli neue Importzölle in Höhe von 50 % auf Kaffee aus Brasilien. Diese Entscheidung ließ Importeure große Mengen vor Inkrafttreten der Zölle aufkaufen.
Brasilien ist mit Abstand der weltweit größte Kaffeeproduzent. Die Reaktion des US-Markts führte zu einer vorübergehenden Angebotsverknappung auf dem Weltmarkt. Solche politischen Eingriffe haben unmittelbare Effekte auf Preise und Verfügbarkeit – nicht nur in den USA, sondern weltweit.
Klimawandel belastet Anbauregionen
Sophie von Loeben vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sieht in klimatischen Veränderungen eine der zentralen Ursachen der Preisentwicklung. Sie verweist auf extreme Wetterbedingungen in Vietnam und Brasilien, zwei der wichtigsten Anbauländer. Dort führte Trockenheit, gefolgt von Starkregen während der Erntezeit, zu erheblichen Ertragseinbußen.
Die Kaffeepflanze ist besonders sensibel. Sie benötigt ein stabiles Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und gleichmäßigem Niederschlag. Schon geringe Abweichungen bei Temperatur oder Regen beeinflussen Qualität und Menge der Ernte. Laut Loeben zeigt die Klimaforschung klar, dass Extremwetterereignisse in Anbaugebieten zunehmen werden.
Daraus ergeben sich folgende Risiken:
- Häufigere Dürren und Hitzewellen
- Stärkere Regenfälle zur Unzeit
- Verlagerung der Anbauzonen
- Unkalkulierbare Erntemengen
Liberica als Hoffnungsträger
Eine mögliche Lösung für zukünftige Herausforderungen sieht die Forschung in genetischer Vielfalt. Weltweit existieren über 130 Arten von Kaffeepflanzen, doch bisher wird nur ein Bruchteil davon kommerziell genutzt. Neben Arabica und Robusta könnte insbesondere Coffea Liberica eine wichtige Rolle spielen.
Liberica ist robuster, hitzebeständiger und widerstandsfähiger gegen Krankheiten. Erste Anbauversuche laufen bereits in Uganda und Südostasien. Auch in Südeuropa gibt es Pilotprojekte, etwa in Spanien und Süditalien. Dort testet man, ob Kaffeeanbau in ehemals ungeeigneten Regionen möglich ist – eine Folge des Klimawandels, aber auch eine Chance für neue Produktionsstandorte.
Die Entwicklung alternativer Sorten könnte langfristig zur Stabilisierung des Weltmarkts beitragen. Voraussetzung ist die gezielte Züchtung und der Schutz genetischer Ressourcen. Noch aber steckt dieser Prozess in den Anfängen.
Quelle: RBB24, www.globewings.net/de