Montag, 22 September 2025 11:54

Queere Bildungsprojekte in Berlin vor Kürzungen

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Gefährdete Zukunft queerer Bildungsarbeit in Berlin Gefährdete Zukunft queerer Bildungsarbeit in Berlin Foto: Pexels

In Berlin drohen mehrere queere Bildungsangebote durch geplante Haushaltskürzungen in den Jahren 2026 und 2027 wegzufallen. Viele Träger warnen vor Versorgungslücken, obwohl die Nachfrage nach Workshops und Beratungen stark gestiegen ist. Besonders Schulen könnten betroffen sein, da zentrale Projekte nicht mehr im Haushaltsplan aufgeführt sind.

Inhaltsverzeichnis:

Fehlende Gelder für Kompetenzstelle intersektionale Pädagogik

Im Haushaltsentwurf fehlen 132.200 Euro für die Kompetenzstelle intersektionale Pädagogik, 115.900 Euro für die Inter*Trans*Beratung Queerleben der Schwulenberatung und 308.725 Euro für Aufklärung und Sensibilisierung durch den LSVD Berlin-Brandenburg. Zusätzlich sollen 100.000 Euro in das neue Berliner Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung an Schulen übertragen werden.

Damit geraten wichtige Angebote unter Druck. Es geht um Workshops an Schulen, Fortbildungen für Lehrkräfte und Beratungen für queere Schülerinnen und Schüler. Die Förderung stammte bislang aus der Initiative sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sowie der Antidiskriminierungsstelle des Landes.

Finanzierungslücke bei Projekten wie Queerformat und Youthwork

Für andere Initiativen sind rund 500.000 Euro eingeplant. Die Projekte Queerformat, Queer@school und Youthwork sind im aktuellen Entwurf jedoch nicht mehr gesondert genannt. Laut Verein Lambda entsteht dadurch eine Finanzierungslücke von etwa 112.000 Euro.

Marie Springborn von Lambda erklärte, dass dies zu Stellenabbau führe. Bereits jetzt gebe es hohe Nachfrage und prekäre Arbeitsverhältnisse. Die Bildungsverwaltung betont zwar, dass queere Bildung weiterhin eine Rolle spiele, verweist jedoch auf anstehende Entscheidungen im Abgeordnetenhaus.

Stellungnahmen von LSVD und Politik

Der Geschäftsführer des LSVD Berlin-Brandenburg, Florian Winkler-Schwarz, wies darauf hin, dass allein im schulischen Bereich Zuschüsse in sechsstelliger Höhe wegfallen. Die Nachfrage nach Schulworkshops sei enorm gewachsen, während gleichzeitig Förderungen gestrichen würden. Er bezeichnete queere Bildungsarbeit als Gewaltprävention und betonte ihre Bedeutung für Sicherheit und Suizidprävention.

Im Bildungsausschuss sprach sich Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) für queere Bildungsarbeit aus. Grüne und Linke kritisierten hingegen die Kürzungen deutlich. Sebastian Walter (Grüne) sprach von massiven Einschnitten. Die AfD stellte dagegen den Sinn solcher Angebote infrage und forderte eine von Politik unabhängige Pädagogik.

Studien zeigen positive Auswirkungen

Mehrere Untersuchungen unterstreichen die Wirkung queerer Bildungsmaßnahmen:

  1. Eine US-Studie zeigt geringere Depressionssymptome und Suizidgedanken bei inklusiver Sexualerziehung.
  2. Eine EU-weite Studie belegt weniger Gewalt, mehr Lebenszufriedenheit und geringeres Risiko für Mobbing bei queeren Jugendlichen.

Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass Bildungsprojekte direkte Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Sicherheit junger Menschen haben.

Quelle: rbb24, webrivaig.com/de