Inhaltsverzeichnis:
- Sprachförderung im Alltag der Kita Kleiner Fratz
- Kritik an neuen Kriterien für Zuschüsse
- Position der Bildungsverwaltung und der Senatorin Günther-Wünsch
- Zeitdruck und Forderungen der Träger
Sprachförderung im Alltag der Kita Kleiner Fratz
In der Kita „Kleiner Fratz“ wachsen Kinder in einem vielsprachigen Umfeld auf. Zu Hause sprechen sie Arabisch, Türkisch, Polnisch oder Französisch – insgesamt werden dort 13 Sprachen verwendet. Deutsch ist die gemeinsame Sprache im Kita-Alltag. Laut Linda Honemann helfe es den Kindern besonders, wenn sich Erzieherinnen gezielt einzelnen Kindern widmen können, etwa beim Vorlesen eines Bilderbuchs. „Sprachbildung brauche Zeit, diese Zeit können wir nur zur Verfügung stellen, wenn wir Personal zur Verfügung stellen können“, erklärt sie.
Die Förderung hängt also stark von den personellen Ressourcen ab. Fehlen zusätzliche Fachkräfte, sinken die Möglichkeiten individueller Sprachbegleitung. Ähnliche Engpässe sind bereits in anderen Berliner Einrichtungen bekannt, wie etwa in Fällen, die in Berliner Bildungseinrichtungen dokumentiert wurden.
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Kritik an neuen Kriterien für Zuschüsse
Kita-Träger blicken mit Sorge auf die geplanten Änderungen der Förderkriterien. Der Zuschlag für Sprachförderung soll künftig nicht mehr nach der Familiensprache vergeben werden, sondern ab 2026 an Einrichtungen gehen, in denen mindestens 20 Prozent der Kinder aus einkommensschwachen Familien stammen.
Jeanett Tschiersky von der Fröbel-Gruppe geht davon aus, dass damit viele Berliner Kitas den Zuschlag verlieren werden. „Von den Einrichtungen werden noch zwei den Zuschlag erhalten, aktuell sind aber 20 mit dem Zuschlag nichtdeutsche Herkunft ausgestattet.“ Das würde eine deutliche Reduzierung der geförderten Einrichtungen bedeuten.
Lars Békési, Geschäftsführer des Kita-Verbands VKMK, schätzt, dass mit der neuen Regelung rund 20.000 Kinder gefördert würden – bis zu 60.000 weniger als bisher. „Für uns bedeutet das als Konsequenz eine schlechtere Qualität“, so Békési. Er befürchtet zudem Arbeitsplatzverluste bei Erzieherinnen und fordert eine Überprüfung der Entscheidung.
Ähnliche Strukturänderungen und Sorgen um Qualität zeigen sich auch in anderen Bereichen Berlins, etwa beim öffentlichen Verkehrssystem, wo Ressourcenverteilungen neu organisiert werden.
Position der Bildungsverwaltung und der Senatorin Günther-Wünsch
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) betont, Ziel bleibe es, Kinder mit guten Deutschkenntnissen in die Schule zu schicken. Bereits in der Kita solle der Grundstein gelegt werden. Sie verweist darauf, dass der sogenannte Partizipationszuschlag keine Kürzung darstelle, sondern eine Umverteilung der bestehenden Mittel.
Die Senatorin hält die aktuelle Verteilung der Zuschüsse für zu breit gestreut. Manche Kitas erhielten derzeit Unterstützung, obwohl dort nur ein geringer Bedarf bestehe, während andere, dringender förderbedürftige Einrichtungen leer ausgingen. Das neue Modell solle diese Ungleichheit beseitigen.
Die Bildungsverwaltung signalisiert Offenheit für Anpassungen – insbesondere beim Starttermin der neuen Regelung. Mehrere Träger fordern, den Beginn nicht wie geplant Anfang 2026 festzulegen, da viele Familien mehr Zeit benötigen, um den Berlin-Pass als Einkommensnachweis zu beantragen.
Zeitdruck und Forderungen der Träger
Kita-Träger argumentieren, dass die Umsetzung zu schnell erfolgen soll. Viele Familien müssten erst Unterlagen beschaffen, um Anspruch auf die neue Förderung zu belegen. Dafür fordern die Einrichtungen, auch alternative Nachweise zu akzeptieren. Der Verband VKMK mahnt zudem, die Planungen realistisch zu gestalten, um Qualität und Kontinuität zu sichern.
Die Diskussion um Förderkriterien und soziale Gerechtigkeit erinnert an andere Berliner Herausforderungen, wie die Kürzungen im Bildungsbereich, die ebenfalls soziale Projekte betreffen.
Trotz offener Fragen bleibt das Ziel der Sprachförderung klar: Kinder sollen unabhängig von Herkunft und Einkommen frühzeitig sprachlich gestärkt werden. Der Weg dorthin führt jedoch über politische und organisatorische Entscheidungen, die noch auf ihre Praxistauglichkeit geprüft werden müssen.
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Quelle: rbb24, GLOBEWINGS