Inhaltsverzeichnis:
- Bernd Hildebrandt warnt vor unsichtbaren Gefahren
- Sascha Braun beschreibt logistischen Kraftakt
- Emine Demirbüken-Wegner fordert Unterstützung
- Risiko bleibt über Monate bestehen
Bernd Hildebrandt warnt vor unsichtbaren Gefahren
Zahlreiche Grünflächen in Reinickendorf sind nach zwei heftigen Stürmen im Juni weiterhin gesperrt. Der Grund: Die Gefahr durch herabhängende Äste ist noch nicht gebannt. Viele Schäden in den Baumkronen sind vom Boden aus nicht erkennbar.
„Jeder einzelne Baum müsste kontrolliert werden“, erklärte Bernd Hildebrandt vom Grünflächenamt Reinickendorf. Die Schäden in den Kronen könnten jederzeit zur Gefahr werden, denn lose Äste hängen in großer Höhe und könnten unvermittelt zu Boden fallen. Trotz amtlicher Absperrungen würden viele Menschen die gesperrten Gebiete weiterhin betreten.
Der Aufwand für die Kontrolle ist enorm. Sascha Braun, Leiter des Grünflächenamts Reinickendorf, betont, dass bloßes Beobachten vom Boden aus nicht ausreicht. Viele Schäden werden erst sichtbar, wenn Baumexperten mit Hebebühnen oder Spezialtechnik in die Baumkronen aufsteigen. Allein die Anzahl von 180.000 zu untersuchenden Bäumen verdeutlicht den logistischen Umfang.
Sascha Braun beschreibt logistischen Kraftakt
Die Kontrolle und Sicherung der Bäume ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch technisch anspruchsvoll. Um die Schäden zu identifizieren und zu beseitigen, braucht es:
- mobile Arbeitsbühnen
- speziell ausgebildete Baumkontrolleure
- ausgereifte Sicherheitskonzepte
- LKWs mit Greifarmen für hochgelegene Äste
- Klettertechniker für schwer zugängliche Bereiche
Sascha Braun geht davon aus, dass die Arbeiten bis mindestens Frühjahr 2026 andauern werden. Ein Ende sei nicht absehbar, solange nicht zusätzliche Ressourcen zur Verfügung gestellt würden. Besonders kritisch sei die Tatsache, dass Schäden nicht sofort sichtbar seien und neue Gefahren täglich erkannt würden.
Auch die Kommunikation mit der Öffentlichkeit sei eine Herausforderung. Viele Bürgerinnen und Bürger unterschätzten die Gefahren, die von beschädigten Bäumen ausgingen. „Es ist eine Situation, die wir nicht vollständig kontrollieren können“, sagte Braun im Gespräch mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg.
Emine Demirbüken-Wegner fordert Unterstützung
Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) fordert konkrete Unterstützung vom Berliner Senat. Bereits eine Woche nach dem Sturm bat sie um eine Soforthilfe zur Bewältigung der Schäden. Die Schadenssumme wird derzeit auf mindestens 4 Millionen Euro geschätzt. Täglich kommen neue Kosten hinzu.
Parallel dazu setzt sich der Bezirk für die Einbindung der Bundeswehr ein. Diese könnte logistische Fahrzeuge, speziell ausgebildete Kräfte und schweres Gerät zur Verfügung stellen. Demirbüken-Wegner betonte, dass es nicht nur um Geld gehe, sondern vor allem um die technische Ausrüstung, die dem Bezirk fehle.
Gefordert werden:
- Fachkräfte wie Baumtechniker und Baummeister
- Hebefahrzeuge mit speziellem Zugang zu Baumkronen
- organisatorische und logistische Unterstützung im Gelände
Die Bezirksbürgermeisterin bezeichnete die Situation als „Katastrophe“. Gleichzeitig kritisiert sie die geltende Gesetzeslage. Der Bezirk könne selbst keinen Katastrophenfall ausrufen, obwohl die Schäden gravierend seien. Sie plädiert für gesetzliche Änderungen, um in vergleichbaren Fällen schneller Hilfe aktivieren zu können.
Risiko bleibt über Monate bestehen
Ein genauer Zeitplan für die Beseitigung der Schäden ist nicht absehbar. Das Grünflächenamt meldet regelmäßig neue Gefahrenstellen. Die Arbeit an den Bäumen ist mühsam, gefährlich und stark wetterabhängig. Der Bezirk bittet die Bevölkerung dringend, sich an die Absperrungen zu halten.
Die Lage ist dynamisch. Neue Erkenntnisse verändern täglich die Prioritäten. „Wir stehen vor einer unberechenbaren Situation“, erklärte Demirbüken-Wegner. Ohne zusätzliche Hilfe könnten viele Parks noch bis weit ins nächste Jahr geschlossen bleiben.
Die Zahl der betroffenen Bäume, die Komplexität der Kontrolle und die begrenzten Ressourcen machen Reinickendorf zu einem der am stärksten getroffenen Bezirke Berlins. Unterstützung durch Land und Bund scheint dringend erforderlich, um das Risiko für die Bevölkerung zu minimieren und die Naturflächen zu sichern.
Quelle: RBB24, www.24info-neti.com/de