Freitag, 12 Dezember 2025 19:15

Westernstadt in Berlin-Spandau vor ungewisser Zukunft

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 Westernstadt in Spandau kämpft um ihren Erhalt. Westernstadt in Spandau kämpft um ihren Erhalt. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Die Zukunft der Westernstadt „Old Texas Town“ in Berlin-Spandau steht auf der Kippe. Der Pachtvertrag mit dem Betreiberverein ist Ende August ausgelaufen. Seitdem gibt es keine Einigung zwischen Eigentümer, Bezirk und dem Verein. Der Konflikt um das Areal spitzt sich weiter zu, eine Lösung ist nicht in Sicht.

Inhaltsverzeichnis:

Dr. Aldinger & Fischer Grundbesitz fordert Räumung

Eigentümer des Geländes ist die Dr. Aldinger & Fischer Grundbesitz und Vermarktungs GmbH. Das Unternehmen verpachtete das Gelände jahrelang symbolisch für einen Euro pro Jahr an den Verein Old Texas Town. Dieser betreibt dort eine Westernstadt mit Saloon, Bank, Kirche, Schmiede und Gefängnis. Die Nutzung endet laut Eigentümer mit dem Auslaufen des Vertrags. Der Verein hat die Fläche jedoch nicht übergeben.

Im November fand ein Treffen zwischen Eigentümer, Bezirksamt und Vereinsvorstand statt. Bezirksstadtrat Thorsten Schatz erklärte, man habe „unmissverständlich darauf gedrängt, eine tragfähige Lösung zu finden“. Doch die Gespräche führten zu keinem Ergebnis. Nach Angaben der GmbH legte sie allen Parteien ein Vergleichsangebot vor. Es sah eine Verlängerung des Pachtvertrags bis 2031 vor – weiterhin für einen Euro pro Jahr.

Zudem bot der Eigentümer an, Rückgabekosten in sechsstelliger Höhe zu übernehmen. Im Gegenzug wollte das Unternehmen die Möglichkeit einer gewerblichen Entwicklung auf dem Gelände erhalten. Der Bebauungsplan von 2012 erlaubt dort jedoch ausschließlich die Nutzung als „Sondergebiet Westernstadt“. Eine Änderung lehnt der Bezirk ab.

Bezirk Spandau hält zu Old Texas Town

Der Bezirk zeigt sich solidarisch mit dem Verein. Das Bezirksamt Spandau betont, es sei nicht bereit, die Westernstadt aufzugeben. Thorsten Schatz erklärte, die „eskalierende Strategie des Eigentümers“ sei für ihn unverständlich. Auch der Verein erhielt Unterstützung aus der Öffentlichkeit: Eine Online-Petition für den Erhalt der Westernstadt sammelte rund 11.600 Unterschriften.

Im Sommer demonstrierten Vereinsmitglieder vor dem Brandenburger Tor. Sogar die Band The BossHoss zeigte sich solidarisch. Das Thema fand internationales Echo – Ende November berichtete die New York Times darüber.

Ralf Keber als Bürgermeister von Old Texas Town

Ralf Keber, auch bekannt als Jack Hunter, ist seit 2008 Vorsitzender des Vereins und Bürgermeister der Westernstadt. Zum Stand der Gespräche wollte er sich nicht äußern. Nach seinen Angaben führt nun das Bezirksamt die Verhandlungen. „Mehr weiß ich nicht. Der Verein ist daran nicht beteiligt“, erklärte er.

Keber geht davon aus, dass die Gespräche noch nicht abgeschlossen seien. Er vermutet, dass es dem Eigentümer „nicht schnell genug ging“. Dennoch bleibt der Verein optimistisch. Viele Unterstützer hoffen weiterhin auf eine Lösung, die den Erhalt der Anlage ermöglicht.

Rechtliche Schritte und mögliche Folgen

Die Dr. Aldinger & Fischer Grundbesitz und Vermarktungs GmbH sieht die Verhandlungen als gescheitert an. Nach ihrer Darstellung haben weder der Verein noch das Bezirksamt auf das Vergleichsangebot reagiert. Das Unternehmen hat bereits im Spätsommer eine Räumungsklage eingereicht. Damit soll der Verein gezwungen werden, das Gelände zu verlassen.

Der Bezirk prüft gleichzeitig, wie eine neue vertragliche Grundlage aussehen könnte. Schatz betonte, man wolle „echte Verhandlungen“ ermöglichen. Während der Eigentümer auf den Rechtsweg setzt, setzt der Bezirk weiterhin auf Dialog.

Ähnliche Auseinandersetzungen um Flächennutzungen und Stadtentwicklung sind in Berlin nicht selten. Über Projekte wie den neuen Plan für die Friedrichstraße oder städtebauliche Umgestaltungen wird ebenfalls heftig gestritten. Auch beim Thema Verkehrswende in Berlin zeigt sich, wie schwierig ein Ausgleich zwischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen ist.

Unterstützung und öffentliche Aufmerksamkeit

Der Streit um die Westernstadt hat inzwischen bundesweite Aufmerksamkeit erlangt. Medienberichte, Demonstrationen und die Petition verstärken den Druck auf alle Beteiligten. Das Bezirksamt Spandau bleibt entschlossen, an der Seite des Vereins zu stehen.

Ob die Westernstadt in Spandau bestehen bleibt, ist offen. Eine Entscheidung könnte noch Monate dauern. Während die Räumungsklage vor Gericht liegt, halten die Unterstützer an ihrer Hoffnung fest. Weitere Entwicklungen zum Thema Stadtplanung und Berliner Bezirke finden Sie hier.

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Quelle: Berliner Morgenpost, Webrivaig

FAQ

Was ist Old Texas Town in Berlin-Spandau?

Old Texas Town ist eine Westernstadt in Berlin-Spandau, die vom gleichnamigen Verein betrieben wird. Sie umfasst Gebäude wie Saloon, Bank, Kirche, Schmiede und Gefängnis.

Wem gehört das Gelände der Westernstadt?

Das Gelände gehört der Dr. Aldinger & Fischer Grundbesitz und Vermarktungs GmbH, die es bislang für eine symbolische Pacht von einem Euro jährlich an den Verein verpachtet hat.

Warum steht die Zukunft der Westernstadt auf dem Spiel?

Der Pachtvertrag des Vereins ist Ende August ausgelaufen. Da keine Einigung zwischen Eigentümer, Bezirk und Verein erzielt wurde, droht eine Räumung des Geländes.

Welche Position vertritt das Bezirksamt Spandau?

Das Bezirksamt Spandau unterstützt den Verein Old Texas Town und lehnt eine Aufgabe der Westernstadt ab. Es setzt auf einen konstruktiven Dialog, um eine Lösung zu finden.

Welche rechtlichen Schritte hat der Eigentümer unternommen?

Die Dr. Aldinger & Fischer Grundbesitz und Vermarktungs GmbH hat bereits im Spätsommer eine Räumungsklage eingereicht, um das Gelände zurückzuerhalten.

Wie reagiert die Öffentlichkeit auf den Streit?

Eine Online-Petition zum Erhalt der Westernstadt hat rund 11.600 Unterstützer gesammelt. Zudem fanden Demonstrationen und Berichterstattungen in internationalen Medien statt.

Welche Zukunftsmöglichkeiten gibt es für Old Texas Town?

Derzeit prüft das Bezirksamt mögliche vertragliche Lösungen. Ob die Westernstadt am Standort bleiben kann, ist offen und hängt vom Ausgang der laufenden rechtlichen Verfahren ab.