Freitag, 04 April 2025 12:49

Zukunft der Berliner Theaterlandschaft ungewiss

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Berliner Theaterlandschaft vor Wandel Berliner Theaterlandschaft vor Wandel pixabay/Foto illustrativ

In Berlin stehen tiefgreifende Veränderungen im Theaterbereich zur Debatte. Vier staatliche Schauspielhäuser – die Volksbühne, das Deutsche Theater, das Maxim-Gorki-Theater und das Theater an der Parkaue – könnten bald in eine neue Rechtsform überführt werden. Die Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. Eine interne E-Mail der Kulturstaatssekretärin Sarah Wedl-Wilson, die dem rbb vorliegt, bestätigt die Pläne.

Inhaltsverzeichnis:

Stiftungen und gGmbH-Modelle für Volksbühne und andere Häuser

Laut Informationen des rbb wird eine Umwandlung der Bühnen in gemeinnützige GmbHs oder öffentliche Stiftungen geprüft. Auch das staatliche Konzerthaus ist von diesen Überlegungen betroffen. Bislang befinden sich diese Institutionen vollständig im Eigentum des Landes Berlin.

Eine solche Umstrukturierung würde sie an bereits bestehende Modelle wie das Berliner Ensemble oder die Schaubühne heranführen, die als gGmbHs rechtlich selbstständig operieren.

Geplant ist auch der Einsatz sogenannter "Shared Services", also das Zusammenlegen von Abteilungen. Möglich wäre etwa die Zentralisierung aller Theaterwerkstätten beim bestehenden "Bühnenservice" der Stiftung "Oper in Berlin". Das Deutsche Theater und das Theater an der Parkaue nutzen diesen Service bereits für Bühnenbilder und Kostüme.

Mitarbeitende fürchten tarifliche Einschnitte

Etwa 1.100 Beschäftigte arbeiten derzeit in den betroffenen Theatern und im Konzerthaus nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L). Ihre Arbeitsplätze und Tarifrechte sind durch die Umstrukturierung akut bedroht.

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert, dass keine Gespräche mit Personalvertretungen stattgefunden haben. Bezirksleiterin Andrea Kühnemann warnt vor möglichen Kündigungen und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen.

Eine Theatermitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, berichtet, sie sehe sich gezwungen, sich nach neuen Stellen umzusehen – trotz ihrer Liebe zum Beruf.

Arbeitsrechtlich könnte eine Änderung der Rechtsform nur über einen Betriebsübergang mit Erhalt der Verträge, ein neues Gesetz des Berliner Abgeordnetenhauses oder einen Überleitungstarifvertrag mit Verdi geregelt werden.

Politischer Widerstand gegen Reformkurs

Die politische Opposition lehnt die Pläne ab. Daniel Wesener</strong von den Grünen betont, dass es keinen Zusammenhang zwischen Rechtsform und wirtschaftlicher Effizienz gebe. Öffentliche und private Bühnen könnten gleichermaßen funktionieren.

Manuela Schmidt (Die Linke) kritisiert die geplante Auslagerung und sieht darin einen Widerspruch zum kulturellen Teilhabemodell Berlins. Niemand könne gezwungen werden, den öffentlichen Dienst zu verlassen.

Bereits 1993 hatten sich Beschäftigte beim Aus des Schillertheaters geweigert, in freie Trägerschaften zu wechseln. Einige von ihnen sind bis heute in öffentlichen Einrichtungen tätig. Auch der Versuch einer Privatisierung beim Metropol-Theater 1996 schlug fehl – die GmbH ging nach einem Jahr insolvent.

Strukturwandel in der Theaterlandschaft seit den 1990er Jahren

Der Anteil privatrechtlich organisierter Theater ist seit den 1990er Jahren bundesweit gestiegen – von 20 auf 45 Prozent im Jahr 2022. Im Gegenzug nimmt die Zahl öffentlicher Regie- oder Eigenbetriebe ab. Berlin ist also Teil eines bundesweiten Trends.

Die schwarz-rote Koalition in Berlin prüft nun erneut einen strategischen Kurswechsel. Noch 2023 wollte Kultursenator Klaus Lederer das Berliner Ensemble zurück in die Landesverantwortung holen. Mit dem Regierungswechsel zu CDU und SPD änderte sich jedoch die politische Linie.

Ein weiteres Gespräch zwischen Kai Wegner</strong, dem Regierenden Bürgermeister, und den Theaterleitungen ist für die kommende Woche angesetzt. Ob es konkrete Entscheidungen geben wird, ist noch unklar. Bis dahin bleibt die Unsicherheit für viele Beschäftigte bestehen.

Quelle: RBB24, www.globewings.net/de